Stressoren im Büroalltag
Welche zusätzlichen / unnützen Stressoren Du im Büroalltag vermeiden kannst
Was sind Stressoren?
Stressoren sind äußere oder innere Auslöser, die wir als belastend oder bedrohlich bewerten – dadurch startet eine Stressreaktion im Körper. Sie können physischer, emotionaler, sozialer oder psychischer Natur sein. Entscheidend ist nicht nur der Reiz an sich, sondern unsere Bewertung dazu („Kann ich das bewältigen?“). Dies beschreibt das Stressmodell nach Lazarus & Folkman: Stress entsteht aus der Wechselwirkung von Anforderungen und der subjektiven Einschätzung, ob die Ressourcen zur Bewältigung ausreichen. Mit anderen Worten: Unsere persönliche Einschätzung - resultierend aus vergangenen Erfahrungen, Ansichten und Glaubenssätzen - hat einen direkten Einfluss darauf, wie stressvoll wir eine Situation oder Aufgabe wahrnehmen. Darum ist das Stressempfinden sehr individuell (und kann sich durch gezieltes Coaching auch verändern).
Unabhängig von unserer individuellen Stressreaktion, gibt es Stressoren, welche es immer zu reduzieren gilt. Sie erhöhen den Stress im Büroalltag und verringern unsere Belastbarkeit, obwohl sie meist unnötig und zudem oft relativ leicht zu vermeiden wären. Ich stelle Dir hier eine kleine Auswahl vor.
Typische Kategorien von Stressoren sind zum Beispiel:
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Arbeitsanforderungen & Zeitdruck
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Rollenfaktoren (Unklarheit, Konflikte)
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Kontroll- und Unterstützungsgrad der Arbeit
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Fairness/Gerechtigkeit (Aufwand-Belohnungs-Balance)
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Störungen & Unterbrechungen (E-Mail/Chat/Meetings)
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Umgebung (Lärm, Luftqualität, Licht, Ergonomie, Ordnung)
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Arbeitszeit & Erholung (lange Tage, fehlende Pausen)
Worauf Du achten solltest und was Du konkret anvisieren kannst
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Dauerhafter hoher Zeit- und Leistungsdruck
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Schlecht planbare Dauerlast ist ein Kern-Stressor und hängt sehr eng mit Erschöpfung zusammen. (Burn-out ist oft die Folge chronischen, nicht bewältigten Arbeitsstresses)
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Rollenunklarheit und Rollenkonflikte
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Unklare Zuständigkeiten oder widersprüchliche Erwartungen erhöhen den Stress und senken die Leistung.
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Wenig Autonomie und geringe soziale Unterstützung
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Die Kombination aus hohen Anforderungen und geringer Kontrolle/Support führen zum sogenannten "Job-Strain". Dieser ist mit mehr Belastung und schlechterem Befinden verbunden.
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Ungerechte Aufwand-Belohnungs-Balance
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Wenn Einsatz, Anerkennung/Entlohnung und Entwicklung nicht zusammenpassen, steigt das Risiko für Stress- und Gesundheitsprobleme.
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> Lösungsansätze:
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Klarheit ist der grösste Hebel: Achte bei jedem Projekt auf klare Ziele, eindeutig definierte Zuständigkeiten und Aufgabenverteilungen und haltet auch die „Definition of Done“ im Vorfeld schriftlich fest. (die konkrete Einführung in deinem Team ist kontextabhängig)
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Arbeitslast steuern: realistische Kapazität mit einem Puffer (15–20 %) einplanen (konkrete Kapazitätsmodelle variieren)
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mach deine aktuellen Projekte / To-Do's sichtbar (z.B. via Task Manager oder einfach in einer Tabelle mit Fortschrittsanzeige und zukünftigen Aufgaben)
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Fairness sichtbar machen: Aufwand-Belohnung regelmässig spiegeln; Anerkennung & Entwicklung strukturiert verankern.
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Ständige Erreichbarkeit und Unterbrechungen
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Unterbrechungen führen zu mehr Stress, Frust und Zeitdruck - besonders die Fokus-Rückkehr kostet immer wieder Zeit und Energie. Dazu zählen Meetings, E-Mails, Chats, Telefonanrufe und auch Kollegen, die "nur eine kurze Frage" haben
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> Lösungsansätze:
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erstelle Fokuszeiten, welche du im Teamkalender als „Bitte‑nicht‑stören“-Zeiten mit deinen Kollegen teilst
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bei Kundenkontakt können auch feste "Erreichbar-von-bis"-Zeiten in deiner E-Mail Signatur helfen
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statt E‑Mail/Chat im Dauerlauf, plane 2–3 feste Blöcke pro Tag für die Beantwortung ein (Taktung je nach Rolle)
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stelle auch unbedingt störende Töne/Benachrichtigungen aus
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vermeide unnötige Meetings: Frage im Vorfeld immer, ob du unbedingt am Meeting teilnehmen musst (evtl. reicht dir eine Zusammenfassung per Mail). Falls du teilnimmst, achte auf eine klare Agenda, eingehaltene Zeiten und ein konkretes Meeting-Ziel (mit anschliessender, eindeutiger Aufgabenverteilung).
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Lärm und Grossraumbüro
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Der stetige Geräuschpegel / Lärm in offenen Grossraumbüros verschlechtert das Wohlbefinden und erhöht physiologische Stressmarker (z. B. Herzrate, Hautleitfähigkeit) – selbst wenn die Leistung kurzfristig stabil bleibt.
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Schlechte Innenraumluft (CO₂/Feinstaub)
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Eine gute Luftqualität und regelmässiges Lüftung stehen mit besserer kognitiver Leistung in Zusammenhang.
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Fehlhaltungen und ungünstiges Licht
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Circadian-informierte Beleuchtung unterstützt Vigilanz und Schlaf; ungeeignetes Licht erhöht Müdigkeit.
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Umgebung optimieren: Lärm reduzieren (Zonen/Headsets), CO₂/PM2.5 tracken, tageslichtnahe, blendfreie Beleuchtung. (Grenzwerte & Sensor-Setup sind Teil der Umsetzung.)
4. Umgebung & Ausstattung
Vergiss nicht regelmässig zu lüften (auch im Winter) und achte auf eine blendfreie Arbeitsplatzbeleuchtung.
Auch visuelles Chaos kann den Stress erhöhen. Gewöhne dir daher täglich 5‑Min‑Reset (kurzes Aufräumen des Schreibtisches) an und definiere auch klare Ordner‑ und Benennungsregeln (analog & digital).
3. Ergonomie & Fehlhaltungen
Stelle die Oberkante deines Monitors auf Augenhöhe, halte deine Unterarme entspannt im 90°-Winkel zur Tischplatte und setze beide Füße vollständig auf den Boden.
Sitze und stehe im Wechsel:
Verwende einen höhenverstellbaren Schreibtisch
(Ärzte & Physiotherapeuten erstellen bei Rückenschmerzen gerne Anordnungen)
und laufe beim telefonieren herum.
Regenerative Stressoren
9) Lange Arbeitszeiten und zu wenig Erholung
Wer (regelmässig) mehr als 55 Wochenstunden Arbeitet, erhöht sein Risiko für Schlaganfall und Herzkrankheit. Auch sind Pausen
10) Bewegungsmangel und langes Sitzen
Sitzlastige Arbeit erhöht kardiometabolische Risiken; Sitz-Steh-Wechsel und kurze Aktivpausen wirken entgegen.
5. Fehlende Erholung
Eliminiere Lärmquellen mit geräuschreduzierenden Kopfhörern und ziehe dich für fokussiertes Arbeiten in leere Meeting-Räume / ungenutzte Büros zurück.
Mache regelmässige Mikropausen und eine echte Mittagspause weg vom Arbeitsplatz (gehe anschliessend am besten noch kurz spazieren).
Arbeitszeit schützen: Obergrenzen, Off-Hours, echte Pausen – messbar verankern.
Warum Coaching? Die Prinzipien sind klar – die Umsetzung muss zu Rolle, Team, Geschäftszyklus und eurer Kultur passen. Genau hier unterstütze ich: Wir übersetzen die Erkenntnisse in passende Routinen, Team-Agreements und Mini-Experimente, die in deinem Alltag halten.
Quellen (Auswahl, evidenzbasiert)
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Lazarus & Folkman: kognitive Bewertung und transaktionales Stressmodell. Wikipedia+1
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JDC(S) – Überblicksarbeiten/Anwendungen. Taylor & Francis Online+1
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ERI – Modelle & kardiometabolische Bezüge. PMC+1
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ICD-11 Burn-out – Definition & Einordnung. Weltgesundheitsorganisation
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Unterbrechungen – mehr Speed, mehr Stress. dl.acm.org
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Lärm/Offenbüro – Stressmarker & Befinden. Cambridge University Press & Assessment
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Luftqualität & Kognition (COGfx). Healthy Buildings+1
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Circadian-Licht – Vigilanz/Schlaf. OUP Academic
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Lange Arbeitszeiten – WHO/ILO-Schätzungen. Weltgesundheitsorganisation+1
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Sitzen & Gesundheit – BMC Public Health. SpringerLink
